Papierschöpf-Workshop

Vor 25 Jahren packte mich der Papier-Virus. Damals bin ich auf der Rückreise aus dem Süden durch Lenningen gekommen. In der Altstadt habe ich eine Papiermühle und das Museum für Papier- und Buchkunst entdeckt und bin mit großen Augen durch die Ausstellung gestolpert. Die Ideen, was man alles so künstlerisch mit Papier anstellen könnte, klickerten durch meinen Kopf.
Zuhause hab ich mir dann mein erstes Buch über Papierschöpfen gekauft und mir aus Holzleisten, Winkeln und feinem Drahtgeflecht Siebe gebaut.

Zuerst habe ich Altpapier zu Pulpe verarbeitet, weil Recycling für mich schon immer Sinn machte. Und mehr und mehr arbeitete ich mit allen möglichen Pflanzenteilen aus dem Garten und dem Wald. Kein Rosenblatt durfte ungenutzt vertrocknen. Aus dem Papier habe ich meist Umschläge und Briefpapier gemacht. Und dann hab ich das Thema lange aus den Augen verloren.

Im Sommer 2019 flatterte dann eine Mail aus der HAW Armgartstraße ins Postfach in der ein Papierschöpf-Workshop der Sommer-Akademie erwähnt wurde. Der Funke zündete bei mir sofort – also nichts wie hin.

Einen Tag lang konnten wir Teilnehmer verschiedene Faserbreie und Siebe ausprobieren. Es war ein Fest! Unter der Anleitung der Papierkünstler Jana Schumacher und Drew Matott vom Peacepaperproject, enstand ein großer Stapel zauberhaftes Papier.

Wir haben mit Baumwollfasern aus Altkleidern gearbeitet. Das Zerkleinern erledigt „der Holländer“ mit Walzen, die die Fasern auseinanderziehen und nicht zerstückeln. Außerdem gab es Kozo (Bastfaser des Maulbeerbaumes), Hanf, Flachs/Leinen und diverse Mischungen. Wir haben mehrfarbige Papiere geschöpft, zweilagige Papiere und mit Verläufen gearbeitet.
Neu für mich war die „innere Leimung“, die dafür sorgt, dass die Papieroberfläche geschlossen und beschreibbar ist. Ich hatte das früher nachträglich gemacht und die Papiere mit Kaolin eingestrichen. Aber man kann die Leimung schon der Pulpe zugeben.

Und wenn ihr jetzt Lust aufs Papierschöpfen bekommen habt und Material sucht, dann werdet ihr hier bei der Eifeltor Mühle sicher fündig. John Gerard bietet auch wunderbare Kurse an. Die Werkstatt liegt in der Nähe von Bonn. Aber Kurse finden sich natürlich auch woanders.

Ich bin jedenfalls wieder richtig süchtig aufs Papierschöpfen und baue mir jetzt größere Siebe für A3-Bögen. Und da ich mich ja auch mit Kalligrafie und Buchbinden beschäftige, kann ich natürlich sehr viel mit diesen handgeschöpften Unikaten anstellen.

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