Herbst-Workshop mit Brigitte Schrader

Vor 2 Wochen gab es mal wieder einen schönen Kalligrafie-Workshop mit der Kalligrafin, Künstlerin und Dozentin Brigitte Schrader aus Hildesheim. Wir haben in diesem Kurs eigene Fantasieschriften entwickelt um später damit zu arbeiten. Brigitte hat uns viele Beispiele solcher Schriften gezeigt und Anregungen aus anderen Kulturkreisen mitgebracht. Elbisch, Klingonisch, Phönizisch, Planetensymbole, Arabisch, das Voynich-Manuskript … es gibt viele Ansätze. Ihre eigenen Fantasieschriften stellte Brigitte uns auch zur Verfügung.

Wir haben zuerst die Einzelteile von Buchstaben geschrieben, ausgeschnitten und daraus neue Buchstaben zusammengesetzt. Wenn uns das gefiel, haben wir den Buchstaben abgezeichnet oder fotografiert und dann neue gelegt. Es ist gar nicht so leicht ein Zeichen zu kreieren, das einen nicht an einen lesbaren Buchstaben oder eine Zahl erinnert, oder eine ungewünschte Assoziation auslöst.

Es ging nicht darum ein Alphabet zu erschaffen, oder eine Geheimsprache. Unsere »Texte« sollten unlesbar bleiben, also als Strukturen und Muster für Gestaltungen dienen. Schrift darf auch mal ohne Inhalt wirken. Die Bandbreite der Entwürfe der TeilnehmerInnen war enorm. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie unterschiedlich alle mit einem gemeinsamen Kursthema umgehen.

Zuerst hab ich mich an einer Grotesk-Schrift versucht, aber das war eher fruchtlos. Dann hatte ich die Idee eine Frakturschrift als Grundlage zu nehmen. Als ich die einzelnen Elemente vor mir hatte, dachte ich, dass das nicht viel hergibt, weil Frakturschriften gar nicht sooo viele verschiedene Formen haben. Aber beim Spielen kamen dann immer neue Buchstabenformen heraus. Ich hab mir ein paar Zeichen herausgenommen, die in der Kombination mit einer Fantasie-Schreibschrift von Brigitte gut wirken. Im zweiten Teil des Workshops habe ich dann mit meiner Schrift experimentiert, es ging um das Schreiben mit Rubbelkrepp.

Nachdem ich in der Vergangenheit schon einige Pinsel mit Rubbelkrepp getötet habe, war ich gespannt, wie das mit Federn läuft. Um mit Rubbelkrepp und Feder zu schreiben, muss die Konsistenz erstmal stimmen. Es gibt verschiedene Arten dieser Maskierflüssigkeit, einige muss man nicht verdünnen, andere schon. Mein »Pébéo Drawing Gum« lief auch ohne Verdünnung gut. Wichtig ist, dass man das Reservoir von der Feder abnimmt und bei Automatic Pens auch das Innere der Feder immer sofort reinigt. Mit meinen geliebten Speedball-Federn hab ich lieber nicht geschrieben, die wollte ich nicht ruinieren. Gereinigt wird mit Wasser und Papiertuch, oder einfach abgerubbelt, wenn es eingetrocknet ist, was SEHR schnell geht.
Es gibt auch Marker mit Maskierflüssigkeit, aber wir wollten ja schöne Schriften mit Federn schreiben.

Es wird in Schichten gearbeitet: Schreiben, trocknen lassen, eine dünne Schicht Farbe auftragen (Beize, Tusche, Tinte), trocknen lassen (Föhn/Heizung), wieder schreiben, trocknen, Farbe, trocknen, schreiben … Und ganz zum Schluss, wenn alles knochentrocken ist, wird das Rubbelkrepp einfach mit den Fingern abgerubbelt.
Jetzt werdet ihr vom Ergebnis (hoffentlich positiv) überrascht sein, denn so richtig kann man sich das vorher gar nicht vorstellen. Wir arbeiten sonst ja in umgekehrter Reihenfolge: vom Hintergrund zum Vordergrund. Hier wird das, was ihr zuerst schreibt am stärksten zu sehen sein, da es klar weiß bleibt. Die späteren Schrift-Schichten werden dann immer dezenter.

Beim Papier ist zu beachten, dass es am besten gespannt wird, also mit Nassklebeband auf einer Holzplatte fixiert, oder direkt auf dem geleimten Aquarellblock gearbeitet wird. Das Papier darf sich nicht wellen, sonst entstehen Farbpfützen und das Endergebnis müsste irgendwie wieder geglättet werden, was nicht so gut funktioniert.
Die Papierqualität sollte eher fest sein, damit die Oberfläche beim Abrubbeln nicht aufreißt. Schlechte Erfahrung habe ich mit Vorsatzpapier gemacht und mit Aquarellpapier mit hohem Baumwollanteil. Gut funktionieren bei mir z. B. die 200g-Papiere von Gerstäcker (N°3) und Bösner (Le Grand Bloc).
Tipp: spannt am besten gleich 2, 3, 4, 5 Bögen auf, wenn ihr so ungeduldig seid, wie ich. Dann nerven die Trocknungspausen nicht so.

Mit Maskiermarkern und anderen Schriften hab ich dann auch noch etwas herumprobiert. Und wie immer bei Workshops: Gegen Ende des Wochenendes hatte ich mich gut eingeschrieben und es hätte losgehen können … :-)

Ein Präsenz-Workshop muss gut organisiert sein, damit sich alle sicher fühlen können: Brigitte Schrader und Antje Stapelfeldt kennen sich damit inzwischen aus. Die Teilnehmer wurden auf 2 Kurs-Wochenenden verteilt, damit alle genug Raum hatten, es herrschte 3G, wir lüfteten die Räume, und wer nicht am Platz saß trug eine Maske.

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