Schreibübungen Anglaise

Englische Schreibschrift

Schreibübungen AnglaiseSie hat viele Namen und Ausprägungen: Anglaise, Englische Schreibschrift, Copperplate, Künstlerschrift, Roundhand … aber sie alle vereint ein elegant-geschwungenes, künstlerisch-fließendes Schriftbild. Mal mehr, mal weniger verschnörkelt.

Im Workshop der Schriftkünstlerin Gisela zur Strassen haben wir die Anglaise von Grund auf gelernt. Jede Teilnehmerin brachte eine andere Vorbildung mit: Manche hatten noch gar keine Berührung mit Spitzfeder-Kalligrafie, andere schreiben nichts anderes. Für Kursleiter ist das ja immer eine Herausforderung. Gisela hat sich durch intensive Einzelkorrekturen mit jeder Teilnehmerin eingehend beschäftigt und uns da abgeholt, wo wir standen. Nachher konnten alle berichten, dass sie große Fortschritte gemacht haben. Und Spaß hatten wir auch noch dabei!

Übungen der Englischen Schreibschrift

Tag 1

Der Kampf mit der Feder – Der Kampf mit dem Papier – Der Kampf mit der Tinte … das wäre eine gute Zusammenfassung, und alle die ab und zu einen Workshop besuchen, kennen das sicher :-)

Erstmal muss man beim Schreiben ja wieder warm werden, mit der Hand und auch mit dem Material. Also haben wir uns mit Spitzfederübungen beschäftigt und mit zunehmendem und abnehmendem Druck die Grundformen der Anglaise-Kleinbuchstaben geübt: Ovale, Bögen, Striche …

Unter unserem dünnen Layoutpapier hatten wir zur Hilfe ein Raster, um die x-Höhe und die Schräglage einzuhalten, die bei 54 bis 60 Grad Rechtsneigung liegt.

Tag 2

Wir haben uns morgens wieder eingeschrieben und dann über den Tag einiges an nützlichem Input von Gisela bekommen. Es ging um die Proportionen und um die Großbuchstaben, um Tricks und Kniffe bei einzelnen Buchstaben und deren Varianten. Ich habe meine Buchstabengröße langsam verringert und die Schrift schmaler geschrieben, bis ich zu einer Form kam, die mir gut lag. Erste kurze Texte wurden geschrieben.

Tag 3

Wir haben weiter Texte und Gedichte geschrieben und es gab das Angebot sich mit Kartengestaltung inklusive Embossing, farbigen Hintergründen und Prägung zu beschäftigen. Aber ich habe meine Zeit  hauptsächlich dazu genutzt zu schreiben und weiter zu üben. So ungestört und konzentriert wie in diesem Workshop geht das ja selten. Da sich alle sehr auf ihr Schreiben konzentrierten und darauf die Zunge gerade zu halten, war es immer angenehm ruhig im Raum.

Die Sache mit der Feder

Die richtige Feder zu finden, ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Gisela hatte einige Federn für uns zum Ausprobieren dabei. Ich habe mich für eine F. Soennecken 111 EF entschieden, aber mit der Nikko G-Pen und der Baignol & Farjon Incomparable ging es bei mir auch ganz gut. Bei Kallipos könnt ihr sehen, dass es eine riesige Auswahl gibt.

Ob man einen Ellenbogen-Federhalter oder einen normalen bevorzugt ist auch Geschmacksache. Ich kann mir nicht vorstellen so eine kursive Schrift mit einem geraden Federhalter zu schreiben, dafür müsste ich mir vermutlich einige Knochen aus dem Handgelenk entfernen lassen. Aber manche können das, und man hat diese Federhalter ja auch nicht unbedingt immer parat.

Spitzfedern und Federhalter

Welches Papier mögen Spitzfedern?

Eher glattes Papier, aber nicht so glatt, dass die Tinte darauf stehen bleibt. Andererseits darf die Tinte auch nicht ausbluten. Welche Möglichkeiten gibt es da?

Layoutpapier ist gut zum Üben, weil man darauf gut schreiben kann und es so dünn ist, dass Hilfsraster auch ohne Lightpad sichtbar sind. Interessant: Manches Layoutpapier funktioniert viel besser auf der Rückseite! Ich hatte das »I love Art – Marker-Papier« von Gerstäcker dabei, was sich tatsächlich von der Rückseite besser beschreiben lässt.

»Esquisse« von LANA wurde zu meinem Lieblingspapier, das gibt es z. B. bei Bösner. Man kann super darauf schreiben, aber es ist nicht ganz so dünn und hat etwas Grip.

»Dessin 150« von LANA wurde noch empfohlen und Aquarellpapier mit Satine oder Grain Satine Oberfläche, z. B. von Arches.

Und was ist die richtige Tinte?

Bei Spitzfedern spielt die Art der Schreibflüssigkeit noch eine größere Rolle, als bei Bandzugfedern, da man ja Druck ausübt und die Feder sich dann sehr spreizt und die Tinte diese Flexibilität mitmachen muss. Es muss genauso möglich sein superfein zu schreiben, als auch einigermaßen breit.

Bei mir funktioniert dabei gut: Walnusstinte (aus Granulat), Parker Quink, Eisengallus-Tinte, oder auch Gouache in der richtigen Mischung. Im Kurs wurden außerdem empfohlen: Kuretake ZIG Sumi Ink 60 und Dr. Ph. Martin’s Bleed Proof White.

Tinte, Tusche, Gouache

Und noch ein paar Tipps

  • Eine neue oder leicht fettige Feder nimmt die Tinte nicht gut an. Da hilft es sie in eine rohe Kartoffel zu stecken. Abflammen oder mit Spucke benetzen waren die mir bekannten Varianten, aber das mit der Kartoffel ist wirklich gut, auch mal zwischendurch.
  • Wirklich gaaaaanz langsam schreiben (es ist nicht leicht immer daran zu denken).
  • Bei den Aufstrichen viel viel weniger Druck ausüben, als man sich vorstellen kann. Denkt an einen Hauch oder eine Vogeldaune, nur so wird der Kontrast aus dünnen und dickeren Bereichen in der Schrift wirklich schön.
  • Bei den Abstrichen den Druck schon etwas vor dem unteren Ende lösen, es wirkt dann weniger plump.
  • Die Unterlängen im Text einfach erstmal weglassen und dann erst ergänzen, wenn die folgende Zeile mit ihren Oberlängen geschrieben wurde. Ansonsten bekommt ihr so merkwürdige Ergebnisse, wie ich (ganz oben rechts auf dem Bild zu sehen). Der Vorteil dabei ist, dass ihr wisst wieviel Platz ihr für Unterlängen habt und deren Schwung viel schöner integrieren könnt.
  • Das ultimative Lernbuch scheint »Spitzfeder-Kalligrafie« von Stefanie Weigele zu sein, auch wenn ich das Lernen im Workshop bevorzuge, lege ich es mir sicher noch zu, denn der Lernpfad gerade dieser Schrift ist sehr lang, und wer tiefer einsteigen will braucht mehr Input.
  • In »Kalligrafisch zeichnen« von Schin Loong lernt man spielerisch viel über Schwünge und Schnörkel.
  • Das Lehrbuch »Schreibschriften« von Helmut Egerer bietet die Basis für verschiedene Schriften und einige Beispiel-Alphabete.
  • Dann wurden im Kurs noch empfohlen: »Script Lettering for Artists« von Tommy Thompson und »The Universal Penman« von George Bickham.

3 Kalligrafiebücher

Ich habe wirklich vor regelmäßiger zu üben, vielleicht klappt es ja. Und ich wünsche euch ganz viel Spaß bei eurer Schreiberei!

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