Workshop: Book of Words

4 Tage – 3 Lehrer – 2 Hände – 1 Buch

Wenn Birgit Nass, Marí Bohley und Massimo Polello für einen Workshop zusammenkommen, dann darf man sich auf was gefasst machen. So viel Input, so wenig Zeit.

Massimo hat sich vor allem um die Kalligrafie gekümmert, bei Marí ging es um das Buch und bei Birgit um Layout und Rostpapiere.

Unter Massimos Anleitung haben wir die Grenzen einer Schrift erforscht. Unsere Basis war eine klassische Antiqua, deren Formen wir erstmal geübt haben. Dann haben wir sie sehr viel schmaler, breiter, mit großen Ober- oder Unterlängen, tanzend oder spationiert geschrieben, bis wir sie komplett zerlegt hatten und auf andere Weise – skripturaler – neu zusammengesetzt haben. Manches sah dann fast nach arabischer Schrift oder chinesischen Zeichen aus. Dafür haben wir jeweils nur ein Wort genommen – bei mir waren das „tomorrow“ und „Augenblick“.

Es gab ein wenig Widerstand gegen diese Art so extrem vorzugehen, bis es quasi unlesbar wurde. Erstmal bemüht man sich jahrelang in der Kalligrafie schön zu schreiben. Und nun sowas!

Aber ich denke, dass es eine sinnvolle Herangehensweise war: analysieren, zerstören, neues kreieren. Man erfährt im Prozess, wie lange Lesbarkeit noch gegeben ist und ab wann sich die Formen von Buchstaben in grafische Motive verwandeln. Lesbares und grafisches auf bestimmte Art und Weise zu kombinieren kann viel Spannung erzeugen.

Während der Übungen hatten wir schon das Format der Seiten, des Satzspiegels und des späteren Buches im Hinterkopf. Mein Grundlayout hat auf der rechten Seite unten einen quadratischen Satzspiegel, den ich mal mit Schrift gefüllt habe, mal mit grafischen Elementen und manchmal auch einfach nur als Grundform geprägt hatte, wenn die Seite damit optisch besser wirkte. Der ganze Prozess war sehr spielerisch und regte an, Grenzen zu übertreten und Regeln zu brechen.

Gekleckse darf ja auch nie fehlen: nass in nass, geträufelt, mit der Cola-Feder gekratzt, mit der Zahnbürste, mit Schellack, oder Klecke die man mit dem Strohhalm zum Verlaufen auspustet.

Das Buch hat eine Gummibandheftung, so kann man den Inhalt immer wieder austauschen, weil nichts festgeheftet wird. Die Buchdeckel wurden mit einer Prägung versehen und mit schwarzem Ingrespapier verkleidet. Der Buchrücken ist mit Leinen kaschiert und mit Löchern für die Gummibänder versehen.

Die Prägung entstand so:

Ich habe meinen Buchtitel (Augenblick) auf sehr dünnen Karton geschrieben und mit dem Cutter ausgeschnitten. Das Positiv habe ich vorn auf den Buchdeckel geklebt und das Negativ hinten. Dann habe ich die Buchdeckel dünn mit einer Leim-Kleistermischung bestrichen, antrocknen lassen und das Papier dann vorsichtig aufgebracht. Mit dem Teflon-Falzbein habe ich die Prägungen vorsichtig herausgearbeitet. Teflon hinterlässt auf dunklem Papier keine Spuren, die Investition lohnt sich also.

Buchbinderin Marí schafft im Kurs immer eine ganz besondere Atmosphäre: Sie erklärt alles sehr detailliert, macht es vor, motiviert uns, dass wir uns auch an verzwickte Techniken herantrauen, und hilft ggf. Fehler auszubügeln. Außerdem gibt es von ihr immer eine exzellente Dokumentation auf Papier.

Birgit hat uns gezeigt wie man Papiere wunderschön altern lässt. Dazu hatte ich hier schon einen Artikel geschrieben.

Dieser großartige Workshop fand schon August 2019 statt, aber ich hatte dann andere Prioritäten (wunderschöne) und dann hab ich vergessen darüber zu schreiben. Nütschanix.

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4 Antworten
  1. Sabine Schmölz says:

    Liebe Katja,
    danke für´s Teilen – wieder sehr schöne Bilder / Eindrücke.
    Auch ein Riesenkompliment an deinen Newsletter – jedesmal lese ich alle Anregungen / Vorstellungen und bin inspiriert!
    liche Grüße
    Sabine (noch aus WO(rms))

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