Was machst du gerade? (19)

… frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Alexandra Scheper – Mediatorin, Friedensstifterin, Workshopleiterin, Trainerin für „Kommunikation, wenn’s schwierig wird“, Hamburg

Was machst du gerade?

»Ich erfinde mich und die Welt ein bisschen neu. Das klingt netter und leichter als es ist, denn freiwillig hätte ich meine Arbeit, die auf so einer zwischenmenschlichen und persönlichen Ebene wirkt, nicht in die Online-Welt gestellt.

Mein Beruf als Mediatorin – die z. B. in Unternehmen geht, um dort Konfliktsituationen aufzuhellen, verständlich zu machen und in etwas Neues zu transformieren – hat ja letztes Jahr eine quietschende Vollbremsung erhalten, als alle Termine für Mediationen, Team-Moderationen und Workshops abgesagt wurden. Auch meine Einzel-Coachings und Craniosacral-Sessions, die mir nebenberuflich am Herzen liegen, wurden durch Corona weniger. Auch wenn ich damals schon ab und zu erfahren hatte, dass per Videokonferenz berührender Austausch und tolle Prozesse stattfinden können, wenn der Rahmen stimmt – so schwer fiel es mir trotzdem zu rufen: „Hey, wir machen alles einfach online weiter. Kein Problem!“

Auch meine Kunden waren skeptisch, ob wir überhaupt so vertrauensvoll und offen miteinander arbeiten können, wenn wir nicht in einem Raum sitzen – denn gerade unter Stress ist ja Vertrauen das Wichtigste, wenn man das Gefühl hat, sich „nackig“ zu machen, wenn man ehrlich kommuniziert. Für jeden Perspektivwechsel ist es wichtig, dass man das Gefühl hat, die eigene Perspektive wird voll verstanden und akzeptiert. Wie soll das gehen ohne die feine Gestik und Mimik – ohne die Pausen, das stumme Nicken, den fragenden Blick, das Zucken der Schultern, den längeren Seufzer, die feuchten oder genervten Augen, das leichte Lächeln … Das alles wird man am Bildschirm doch nicht mitbekommen, oder?

Zum Glück hat dann die erste Online-Mediation mit zwei Leuten überraschend gut funktioniert. Mein (Selbst-)Vertrauen wuchs, die Aufträge kamen, auch wenn die Angst vor der (nicht funktionierenden) Technik blieb. Ich verstand, dass ich diese Hindernisse seit letztem Jahr irgendwie in mir umdeuten musste, um sie kreativ zu nutzen. In Chancen und Möglichkeiten. Um Freude daran zu finden, auch ganz neue Formate und Inhalte zu kreieren, hinter denen ich voll stehen kann. Und jetzt gebe ich u. a. genau zu diesem Thema auch Webinare mit meiner Kollegin Kerstin: Hindernisse transformieren – Probleme zu Potenzialen machen – sich ein bisschen neu erfinden. Falls jemand Lust hat mitzumachen… das nächste „Transformation Lab“ findet am 11. Februar 2021 statt.«

Warum bist du Mediatorin?

»Ich weiß, es klingt paradox, aber in dunklen Situationen ist es einfach berührend und befriedigend, wenn die Lichtschalter wieder angeknipst werden.

Das sind besondere Momente. Als würde es freier und heller im Raum werden. Dabei wurde meistens noch gar kein Problem gelöst, sondern erstmal nur eine „Wahrheit“ gesehen und bezeugt. Ach so! Echt? Ja dann … Oder ein Missverständnis wurde aufgelöst. Oder ein blödes Verhalten hat einen richtig guten Grund bekommen. Oft müssen die Menschen auch kurz lachen oder weinen – aus Erleichterung. In manchen Arbeits-Settings versuchen die Menschen, die Contenance zu wahren, aber ich habe auch schon Geschäftspartner sich in die Arme fallen sehen, die vorher nicht mehr alleine miteinander sprechen wollten.

In Team-Workshops tut es unheimlich gut, wenn mal alle Sichtweisen, Gemütszustände und Bedürfnisse auf „einen Tisch“ kommen. Wie geht das: Ehrlichkeit einladen und dabei verbinden statt Beziehungen zu kappen? Das ist doch ein spannendes Forschungsfeld.

Und ich lerne jedes Mal etwas dabei. Ich selber mag übrigens auch keine persönlichen Konflikte. Schrecklich, wer mag das denn? Das ist immer nervig und aufreibend.«

Was bewegt dich?

»Wie bringt man viele unterschiedliche „Wahrheiten“, subjektive Sichten, Interessen, Bedürfnisse zusammen, ohne die Menschen dabei auseinanderzubringen, sondern – im Gegenteil – sie genau dadurch mehr zu verbinden, indem sie davon erzählen?

Gerade in einer kollektiv aufwühlenden Zeit wie dieser steht ja die Frage: Geht das überhaupt? Wie entstehen Nähe, Menschlichkeit, Großzügigkeit? Wie entsteht Sicherheit, damit du dich nicht von der anderen „Meinung“ bedroht fühlst? Und wie viel Sicherheit brauchst du, damit du dich so verletzlich zeigen kannst, wie du eben gerade bist? Und wie mutig bist du, damit rauszugehen?

Naja, und als wäre es noch nicht schwer genug, soll das Ganze auch noch remote stattfinden. Deshalb bewegt mich auch die Frage: Wie bringt man Nähe und Menschlichkeit in die Online-Welt?

Zu viel Zeit vor dem Bildschirm macht mich selber müde und angestrengt. Um so wichtiger ist es für mich, dass TeilnehmerInnen bei unseren Webinaren Energie bekommen und nicht verlieren – lebendiger werden und nicht noch hohler und steifer.

Mein Learning aus den letzten Monaten ist, dass menschliche Nähe auch mit räumlicher Distanz entstehen kann. Große Erleichterung!«

Wo kann ich dich finden?

Meine Website(ab März frisch aufgelegt)

Unser Webinar „Transformation Lab

Mein XING-Profil und LinkedIn

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