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Was machst du gerade? (29)

… frage ich die wunderbaren Menschen in meinem Netzwerk.

Heute ist das Hilde Mohren – Senior Leadership Coach, Hamburg.

Was machst du gerade?

»Danke, dass Du fragst, liebe Katja. Ich habe es mir gerade mit einer schönen Tasse Tee an meinem liebsten Schreibplatz gemütlich gemacht. Es ist noch früh am Morgen, es ist noch ganz still hier im Haus und um mich herum höre ich nur die Vöglein im Hintergrund.
So starte ich am liebsten in meinen Tag, indem ich meine Gedanken aufschreibe, so richtig von Hand – mit Stift auf Papier.
Mein Lieblingsstift muss es sein, das ist der, den ich seit über zwanzig Jahren benutze, weil er so gut in der Hand liegt und das Schreiben so leicht macht; weil er eine eigene Geschichte hat und wir gemeinsam so viele kleine und große Geschichten schrieben …

Ja, wenn es leicht ist, dann weiß ich, ich bin auf Kurs. Denn Leichtigkeit, Transformation und Empathie gehören zu mir wie die Wellen zum Meer, die Luft zum Atmen, die Töne zur Musik. Die Klarheit ist auch eine feste Größe, ein Wesensbestandteil von mir.
Das Schreiben am Morgen ist die Begegnung mit mir, eine Form der Erdung. Auf diese Weise komme ich in Kontakt mit mir, eine Grundvoraussetzung für mein berufliches Wirken, bei dem es ja ganz überwiegend um den Kontakt zu anderen Menschen geht.
Mein Lieblingsstift, das leere Blatt, die Stille am Morgen, so verbunden, bin ich bereit für den Tag und für die Begegnung.
Jetzt bin ich bereit, meinen Kunden zu lauschen – für mich unbeschriebene Blätter, jeder und jede. Ich höre hin, als habe es noch keinen Kontakt gegeben, als seien nicht schon unzählige Blätter ihres Lebensskripts, ihrer persönlichen Lebens- und Berufsgeschichte geschrieben und erlebt worden. So kann ich wirken.

Neben ausgedehnten Spaziergängen am wunderschönen Elbufer ist die Morgenroutine gerade in diesen außergewöhnlichen Zeiten ein wunderbarer Kraftspender für mich.«

Warum bist du Menschenbegleiterin und Senior Leadership Coach?

»Ganz ehrlich. Die erste Antwort, die kommt: weil ich das BIN!

Wobei der Begriff Senior Leadership Coach mir gar nicht so gut gefällt, da ich nicht wirklich in eine Schublade gesteckt werden möchte: Ich bin eher eine Mischung aus Coach, Mentorin, Mediatorin, Wegbereiterin, Transformationsberaterin, Katalysatorin und vieles mehr. Meine Kunden sind auch nicht immer „Leader“ im Business-Sinn. Alle haben jedoch etwas gemeinsam, dieses innere Leadership, die Verantwortung für sich und den eigenen Weg zu übernehmen. Deshalb beschreibe ich lieber, was ich tue: Ich unterstütze Menschen dabei, „den unmöglichen Weg leicht zu machen“. Und das kann der Vorstand, die Sportlerin oder die Geschäftsführerin genauso sein wie Kunstschaffende, Kapitäne oder das junge Team, das sich in einer NGO engagiert. Oder die Leitungsrunde einer Kanzlei, die Unterstützung in emotionalen Settings benötigt. Doch zurück zu deiner Frage …

„Den unmöglichen Weg leicht machen“, mit diesem Auftrag bin ich wohl vor 58 Jahren auf diese Welt gekommen. Auch wenn mir das zu Beginn meines Lebens natürlich noch nicht klar war, so gibt es Im Rückblick für jede(n), die oder der mich und meine Arbeit kennt, keinen Zweifel daran, dass ich schon in meiner Kindheit einem inneren Ruf, einer „Berufung“ gefolgt bin.
Ich hatte gefühlt schon immer ein ganz besonderes Gespür für Menschen und Situationen, verfahrene Wege, oder solche, die entweder nicht gesehen werden oder das Label „unmöglich“ tragen. Und wenn ich einen Weg sehen konnte, dann gab es für diese mutige, wissbegierige, kleine Frau, als die mich meine Eltern beschreiben, kein Halten mehr. Alle Erfahrungen machte ich zunächst selbst, „hinfallen, aufstehen, den eigenen Weg gehen“, hätte zu der Kleinen gepasst.
Brachliegende Potenziale und neue Möglichkeiten spürte ich von Weitem, wer bereit war, ließ sich mitreißen und befand sich auf dem Weg oder mitten in der nächsten Heldenreise.

Aus der Berufung einen Beruf gemacht habe ich erst viele Jahre später.
Begonnen hat dieser Weg lange nach meinem BWL-Studium, während meiner Konzernkarriere, auf dem Weg nach ganz oben.
Der Weckruf kam 1996, als mein Vater, völlig unerwartet, innerhalb von sechs Wochen an Knochenkrebs starb.
Als Leistungsmensch fand ich es damals völlig normal, schon am Tag nach der Beerdigung wieder voll im Job zu sein. Ich mochte meine Arbeit und oberflächlich betrachtet war auch alles in bester Ordnung. Ich strahlte wie gewohnt. Leistete wie gewohnt …

Wie es sich anfühlt, wenn die innere Wahrheit und die eigenen Gefühle unterdrückt werden und der Verstand wie gewohnt das Ruder übernimmt, das durfte ich in dieser Zeit selbst erleben. Es fühlte sich an, als läge eine schwere Last auf meiner Brust, mein Verstand konnte mir jedoch nicht erklären, was denn eigentlich los war. Und so wehrte er sich aus Leibeskräften. „Du gehst doch gerne zur Arbeit!“ hörte ich ihn sagen, „Du hast Dir so viel aufgebaut, bist voll auf Erfolgskurs. Und jetzt willst Du all das aufs Spiel setzen? Um was zu tun?“

Es dämmerte mir, dass ich meine innere Stimme, meine Gefühle schon viel zu lange unterdrückt hatte. Wenn ich auch oberflächlich glücklich und zufrieden war, so hatte ich doch zunehmend eine Ahnung, dass der eingeschlagene Weg sich nicht mehr richtig anfühlt, dass noch etwas fehlt, und dass mein Weg in eine andere Richtung führt.
Der Geist war aus der Flasche, und lässt sich bekanntlich nicht mehr zurückschicken. Ja, eine gehörige Portion Angst und einige Zweifel waren auch dabei, denn er gab sich nicht so schnell geschlagen. Doch wie in meinen Kindertagen war ich wieder bereit, mich mutig auf den Weg zu machen, Schritt für Schritt für Schritt.

In den folgenden Jahren begann in meinem Inneren ein enormer Wandel, eine Reise zu meinem wahren Kern, also der Person, die ich eingangs beschrieben habe. Nun erinnerte ich mich an den eigentlichen Auftrag, mit dem ich diese Welt einst betreten hatte …

Das ist jetzt die Kurzversion davon, wie ich meinen „unmöglichen Weg“ fand und immer weiterging. Es gab natürlich auch noch zahlreiche Ausbildungen und viele Transformationsschritte, und einiges an Lebens- und Berufserfahrung.
Ganz plötzlich sah ich klar, ich machte mich selbständig – zunächst als „Management Coach“ – schließlich kam ich ja aus der Wirtschaft. Und Coaching war im deutschsprachigen Raum damals noch wenig etabliert. Der Grundstein war gelegt, der Weg sollte sich fortan unter meine Füße legen. Einzige Bedingung, es sollte sich leicht anfühlen.«

Was bewegt dich?

»Menschen, immer wieder Menschen …

Auf der persönlichen Ebene bewegt mich gerade der Eintritt in eine neue Lebensphase. Ich habe jetzt meine Mama-Rolle abgelegt, weil ich zwar lebenslang Mutter bleibe, der „Job“ der Begleitung minderjähriger Kinder inzwischen jedoch erledigt ist. Und so genieße ich jetzt den wunderbaren Austausch mit meinen erwachsenen Söhnen am Beginn ihres selbstbestimmten Lebens, und meine neue Rolle. Gleichzeitig darf ich auch selbst neue, leere Seiten in meinem Lebensskript aufschlagen und meine eigene Geschichte weiterschreiben – eine sehr intensive und wunderbare Erfahrung, die mitunter sehr bewegend sein kann.
Die private Hilde bekommt wieder mehr Raum und die berufliche Hilde überlegt sich gerade Konzepte für jüngere Menschen, denen ich als Senior zur Seite stehen kann, damit sie mutige Schritte gehen und ihr volles Potential entfalten.

Beim Blick in die Welt, beobachte ich tief bewegt und mit einiger Sorge, was wir Menschen uns und einander immer wieder antun und wie achtlos wir auch mit unserem Lebensraum umgehen.
Und da braucht es dringend diese mutigen, jungen Menschen, die es wagen, „unmögliche Wege“ zu gehen.
Und da ich mit der Mentalität eines halbvollen Glases ausgestattet wurde, gebe ich die Hoffnung nicht auf.«

Wo kann ich dich finden?

Dr. Hilde Mohren –Senior Leadership Coach
»Den unmöglichen Weg leicht machen«
Kontakt per E-Mail und bei Linkedin – die Website wird gerade überarbeitet.

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