Färben mit Naturfarben

Ich experimentiere nebenbei mit Farben aus der Natur. Es verändert den Fokus beim Spaziergang im Wald oder bei der Gartenarbeit enorm: Plötzlich frage ich mich ständig »Ob das wohl färbt?«

Viele Pflanzen, Pilze und Flechten enthalten intensive Pigmente und werden deshalb seit Jahrhunderten zum Färben oder Malen benutzt. Darüber findet man viele Bücher oder Informationen im Internet. Empfehlen kann ich das Buch Färberpflanzen von Eberhard Prinz. Aber neben den beschriebenen Pflanzen, macht es Spaß, einfach mal etwas aus dem eigenen Garten oder aus der Küche zu verwenden und sich überraschen zu lassen. Über Giftigkeit informiere ich mich vorher natürlich immer, und ergreife die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen.

Wie ich beim Testen vorgehe:

Ich zerkleinere das Material und gieße in einem hitzefesten Glas kochendes Wasser darüber. In das Glas kommt ein Faden aus reiner Schafwolle, den ich vorher gut wasche. Nun warte ich 1-2 Tage, rühre mal um und sehe dann ja schon, ob sich etwas tut. Zusätzliche Hitze kann das Ganze beschleunigen. Ich entnehme den Faden, trockne ihn und beschrifte mein Muster (Pflanze, ggf. Beize/Zusatz, Jahr). Die Muster bewahre ich in einer Schachtel auf, damit sie nicht ausbleichen.
Hier meine bisherigen Testobjekte (in Klammern jeweils die Farbe oder ein Minus, wenn das Material wenig Farbe abgab):

  • Holunderbeeren (Dunkellila bis Mauverosa)
  • Schmetterlingsfliederblüten, verblüht (Gelbgrün, mit Eisenessig nachbehandelt Olivgrün)
  • Flechten, graugrün (Goldorange bis Rotorange)
  • Efeublätter (Graugrün)
  • Tagetes (Gelbbeige)
  • Avocadohaut und -kerne (Lachsrosa)
  • Erlenkätzchen, grün (Rosabraun)
  • Erlenzapfen, braun (Graubraun)
  • Rosmarin (Graulila)
  • Topinamburblätter (Schlammgrün)
  • Brennessel (Grüngrau)
  • Buntnessel (Rosagrau)
  • Pfingstrosenblüten (Babyrosa)
  • Rosenblüten, rot (Altrosa)
  • Essigbaumblätter (Zitronengelb)
  • Lavendel (Graubraun)
  • Wolfstrapp (Grau bis Dunkelgrau)
  • Schilfblüte (Grünbeige)
  • Beinwellblätter (Beige)
  • Ringelblume (Gelb)
  • Mistel (–)
  • Sauerampfer (–)
  • Scheinzypresse (–)
  • Ginkgo (–)
  • Kurkumapulver, Gewürz (Orange)
  • Blauholz, Späne vom Campechebaum, bestellt (Dunkellila, Lila, Weinrot, Dunkelbraun … je nachdem)

Das mit dem heißen Wasser im Glas ist für mich immer nur ein Test dafür, ob es sich lohnt, intensiver mit dem Material zu arbeiten. In der Küche gibt es ja auch Hinweise darauf (Rotkohl/Blaukraut, Spinat, Rote Beete, Granatäpfel …).

Für eine gute Färbung muss das zu färbende Material vorbehandelt werden, meist mit einer Beize. Da gibt es verschiedene Methoden und Möglichkeiten – sanftere und chemische. Einige Farbstoffe und Materialien brauchen keine Vorbehandlung. So färben Holunderbeeren ohne Zusätze sehr gut auf Schafwolle, was an den pflanzlichen Gerbstoffen (Tanninen) liegt.

Viele Beeren, Kaffee, Tee, die Schalen von Walnüssen, Weintrauben oder bestimmte Blätter und Rinden enthalten Tannine. Damit lassen sich dann tierische Fasern oder Sojafasern gut färben. Um Baumwolle zu färben braucht man eine Beize, z.B. Alaun. Viel sanfter kann man mit Sojamilch beizen, aber es ist ein zeitintensiver Prozess (einlegen, trocknen, einlegen, trocknen, warten). Dabei verbindet sich dann das Protein der Sojabohne mit der pflanzlichen Faser. Und mit den Proteinen (von tierischen Fasern oder pflanzlichen Fasern, die mit Soja gebeizt wurden) verbinden sich im Färbebad die Farbpigmente aus den Färbepflanzen. Über die Methode mit Soja zu beizen findet man viele Infos im Buch Botanical Colour at your Fingertips von Rebecca Desnos, die Veganerin ist und deshalb nicht mit tierischen Fasern arbeiten möchte.

Also: Farbe aus dem Pflanzenmaterial gewinnen, dann Wolle/Baumwollle in ein passendes Beizbad geben, je nachdem welche Beize es ist, entweder auswaschen, oder auf keinen Fall auswaschen, und dann ab ins Färbebad und bei ca. 70 Grad 1-2 Stunden simmern. Danach gern noch tagelang im Topf lassen. So kann ein Färbevorgang schonmal 1-2 Wochen dauern. Aber da man dabei ja nicht viel machen muss, ist das keine große Sache. Solarfärbungen brauchen auch viel Zeit, sie nutzen die Sonne, kommen also ohne Strom aus.

Naturfärbung braucht also viel Zeit, und je mehr Zeit man ihr gibt, umso dauerhafter haften die Pigmente. Lichtecht sind sie nicht. Aber chemische Färbungen sind das auch nicht. Durch Sonnenlicht auf der Wäscheleine oder häufiges Waschen bleicht alles irgendwann aus. Mich stört das nicht, oft fand ich ein Hemd viel schöner, wenn die Farben ausgewaschen waren. Nur leider warten dann die Löcher auch nicht mehr allzulange.

Neben der Vorbehandlung (Beizen), gibt es auch noch Nachbehandlungen, die den Farbton verändern können. Ein Bad in Eisenessig, Kupfersulfat … Darüber erfährt man viel im Buch Färben mit Pflanzen von Dorit Berger.

Auch der Kochtopf spielt eine große Rolle. Möchte man keine Beeinträchtigung, färbt man im Emaille- oder Edelstahltopf. Möchte man den Effekt von Alluminium, Kupfer oder Eisen, dann kann man solche Töpfe nehmen. Auch eine rostige Stelle am Emailletopf kann schon etwas verändern. Natürlich sollte man fürs Färben andere Töpfe nehmen, als fürs Kochen.

Ein weiteres anregendes Buch aus der Färbergemeinschaft ist: Farbstark mit sevengardens über ein Färbergartennetzwerk.

 

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